storys aus aller welt

PeterP

Bawah Island. 

Paradise found!

Dieses neue Hideaway im indonesischen Anambas-Archipel schlägt in puncto Nachhaltigkeit und Naturschönheit jede Malediven-Insel um Längen. Mitten im Südchinesischen Meer wartet Bawah Reserve auf Gäste mit Geschmack – und Geld


Nicht erst, wenn man barfuß im weichen Sand steht und den Blick um 180 Grad schweifen lässt, glaubt man zu halluzinieren. Schon der Landeanflug auf das Bawah Island Resort berauscht. 

Ein paar von Riffen und Mangroven gesäumte Inselchen inmitten vom unendlichen, an alle Horizonte reichenden Blau. Es ist so schön am Arsch der Welt auf 2°30 N, 106°03 E!

Haken wir die nüchternen Zahlen zu Bawah Island ab. 6 Inseln. 13 Strände. 3 Lagunen. 2 Restaurants. 70 Gäste maximal. 150 Mann Personal. 35 Tented Suites und Überwasser-Bungalows. 3 Bars. 0 TV-Kanäle. 

Lage: 277 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Sin­gapur, 355 bis zur Küste Borneos und 1.500 zum Mekong-Delta. Das ist ganz schön jwd.


Ballast abwerfen!

Vor der Anreise im Wasserflugzeug ist die Kunst der Reduktion gefragt. 15 Kilo Gepäck sind an Bord der Twin Otter erlaubt – nicht mehr. 

Wen beim Light-Packing der Horror Vacui übermannt, den mag es trösten, dass Bawah Reserve für Teilzeitinsulaner kostenlosen täglichen Wäscheservice, Schnorchelausrüstung, Sonnenhüte sowie Sonnen- und Insektenschutzmittel bereithält.


Aber viel mehr als Badehose respektive Bikini, Flipflops, ein paar Shirts, Shorts sowie eine Chino braucht man ohnehin nicht. Highheels und Rahmengenähte können zu Hause bleiben. Barefoot luxury eben ...


Schnorcheln, SUP, Segeln

Meine 70 Quadratmeter große Beach Suite, eine Bambuskonstruktion mit großer Veranda unter einem weit  geschwungenen Zeltdach, liegt nur einen Kokosnusswurf vom Meer. 

Mit geöffneten Seitenwänden ist man ganz nah an der Natur, hört das Meer. Nachts rückt einem der Inseldschungel flötend, klackernd, schnatternd, trällernd und kreischend auf die Pelle.


Der Plan für den ersten Tag auf Bawah? Schnorcheln am Dermaga Reef und Stand-up-Paddling rund um die Hauptinsel. Das ist mit den schnittigen Boards in gut 45 Minuten zu schaffen, inklusive Badestopp am Coconut Beach und Meeresschildkröten-Beobachtung im glas­kla­ren Wasser zwischen Bawah und dem Mangrovensaum von Setigi Reef und Lidi Reef.


So schön bunt hier!

Die Unterwasserwelt vor der Haustür der Beach Suites ist weitgehend intakt. Von der Korallenbleiche, die auf den Male­di­ven, im Barrier Reef und auf den Seychellen die Welt unter Wasser sterben lässt, ist (noch) nichts zu sehen. 

Bunt und farbenprächtig ins Auge stechen dagegen hellblaue Steinkorallen, tiefblaue Seesterne sowie Schwarzspitzen-Riffhaie und große Schwärme von Papagei-, Doktor- und Fledermausfischen.


Win-Win für Mensch und Natur

Der Verkauf und die Umwandlung der sechs Inseln in ein Resort tun der Natur letztendlich gut. „Nun darf in einem Umkreis von 500 Metern um die Inseln nicht mehr gefischt werden, schon gar nicht mit Netzen oder Dynamit. Die Fischbestände und Korallen haben sich in den letzten sechs Jahren deutlich erkennbar erholt. 

Die Zahl der Arten und die Größe der Schwärme hat spürbar zugenommen“, erzählt Paul Robinson, der COO von Bawah.

 „Zwar liegt unser Resort inmitten des 12.000 Quadratkilometer großen Anambas Islands Marine Recreational Park, der seit 2014 mit zwölf anderen Schutzgebieten das Coral Triangle Marine Protected Area System bildet, die Natur aber war bis zu unserem Erwerb von Bawah durch Dynamit- und Cyanidfischerei sowie Schleppnetzfischerei bedroht“, so Paul.


Luxus, aber mit viel Öko
Beim Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit geht Bawah Reserve weit über das hinaus, was Hotels ansonsten gern zur grünen Imagepflege machen.


„Die Zelt-Suiten nach Entwürfen des Singapurer Architekten Sim Boon Yang wurden,“ so Paul, „aus Bambus errichtet. Für Duschen, Badewannen und Armaturen haben wir Recyling-Kupfer verwendet.“ Solarpaneele – gut versteckt im dichten Pflanzengrün hinter jeder Suite – sorgen für heißes Wasser.


Auf einer Führung zeigt mir Cheftechniker I Ketut Wijaya, wie das Regenwasser in Zisternen gelagert, zu Trinkwasser aufbereitet und in Glasflaschen abgefüllt wird. 

„Fällt zu wenig Regen, wandeln wir in unserer Osmose-Anlage Meerwasser in Trinkwasser um. Sie schafft 62 Liter in der Minute. Ist der Grundwasserspiegel ausreichend hoch, greifen wir auch zu Grundwasser.“


Damit beim Kampf gegen Moskitos keine Chemie eingesetzt werden muss, greift man zu einem pfiffigen System von Eiablagefallen: Neben jeder Unterkunft und in den Grünanlagen stehen über 60 Systeme aus kleinen Becken mit stehendem Wasser, in denen die Moskitos ihre Larven legen. 

Das Larvenstadium wird täglich überwacht. Meist am dritten Tag nach der Eibablage werden die Brutfallen  leergepumpt, so dass der Nachwuchs der Plagegeister stirbt, bevor er schlüpft.


Fischkacke, der Stoff, aus dem Strandträume sind

Kaum einer, der sich im weißen Sand aalt, ahnt, dass er auf – sorry! – Fisch-Scheiße liegt. Zigmillionen Papageifische raspeln weltweit Algen von Korallenstöcken. 

Dabei geraten Stücke der Korallen in den Verdauungstrakt. Die Tiere stoßen diese nicht verwertbaren Reste als Kot wieder aus – in Form von feinkörnig gemahlenem Sand!


Jeder Papageifisch produziert im Jahr zwischen 100 und – wie der riesige Büffelkopf-Papageifisch, der bis zu 40 Jahre alt werden kann – 1.000 Kilo jenes Stoffs, aus dem unsere „puderzuckerfeinen“ Strandträume sind.


Wissenschaftler schätzen, dass gut 70 Prozent des Sands der Strände in der Karibik, auf den Malediven und Hawaii „Parrotfish Poop“ seien.

Umso wichtiger ist es in unserem eigenen Interesse, dass die Bestände an Riff-Fischen weltweit bewahrt bleiben und die Tiere nicht auf unseren Tellern landen – andernfalls verschwinden auch die Strände unweigerlich.
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© Bild: Bawah Island


flug um die welt längster linienflug der welt peter pfänder journalist

Flug um die Welt

Catch me…

… IF YOU CAN! Der längste Linienflug der Welt ist die Nonstop-Verbindung zwischen Singapur und New York. Den Selbstversuch verlängerte ich  zu einem Flug um die Welt. Der Jetlag blieb aus. Wir waren wohl schlicht zu schnell …


Kurz nach 13 Uhr hebt der Airbus ab. Mein Flug um die Welt, eine Art „Zeitreise“, beginnt. Die Route führt über die Türkei, Irak, Iran, Indien und Sumatra. Ich mache es mir bequem und checke das Unterhaltungsprogramm. Sehr umfangreich, mit vielen aktuellen Filmen wie "Vice" oder "Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit".


SQ 327 | München–Singapur

10.643 Kilometer. 11:37 Stunden


Kurz nach dem Start gibt es ein Glas Champagner sowie Beef and Chicken Satay, danach die vorab über die Option „book a cook“ bestellten Lemon Pepper Prawns. Dazu gönne ich mir einen 2013er Château Rahoul. Anschließend ist es Zeit für Zeitungslektüre, einen Whisky, einen Film auf dem riesigen Bildschirm – und jede Menge Wasser. Die Faustregel auf Langstrecken: ein halber Liter Wasser pro Flugstunde.

Nach knapp sieben Stunden Flug kommt die Müdigkeit, obwohl es erst 20 Uhr deutscher Zeit ist. Mit zwei Handgriffen wird der Business-Sitz zum Bett, 72 Zentimeter breit und zwei Meter lang. 

Ich wache erst wieder auf, als zum Frühstück Dim Sum und ein dramatischer Sonnen­aufgangshimmel über der Andamanensee warten. Kurz nach sieben morgens landen wir am Changi Airport.


Pitstop im Pool des „Crowne Plaza Changi“

1.050 Meter. 30 Minuten

Nach der zügigen und freundlichen Immigration-Prozedur raus ins Freie und rüber zum Hotel "Crowne Plaza Changi", in dem ich einen Day Use Room für sechs Stunden reserviert habe. Höchste Zeit für etwas Bewegung und frische Luft. Nach dem Check-in geht es in den 30 Meter langen Outdoor-Pool.

Begleitet vom Sound startender Flugzeuge ziehe ich  35 Bahnen. Danach um 10 Uhr Ortszeit (also 4 Uhr morgens deutscher Zeit) unter die Dusche und ab ins Bett, ein wenig auf Vorrat schlafen. Sechs Stunden später läutet der Wecker. Zeit für eine Tour durch den Jewel Changi .

Der 40 Meter hohe Wasserfall ist spektakulär. Die Besuchermassen sind es auch – kein Wunder, hat das Jewel doch erst am Vortag eröffnet. Dann ist es Zeit, zum Gate zu marschieren – SQ22, der längste Linienflug der Welt startet bald.

SQ 22 | Längster Linienflug der Welt von Singapur nach NYC 

16.551 Kilometer. 17:41 Stunden

Fünf Minuten vor Mitternacht hebt der Airbus A350-900 ULR mit 165.000 Litern Kerosin in den Tanks ab. Der längste Linienflug der Welt trägt die Flugnummer SQ22. Geplante 18 Stunden Flugzeit liegen vor den Passagieren auf 67 Business-Class- und 94 Premium-Economy-Sitzen der neuen Generation mit mehr Privacy und Beinabstand.


Uns erwartet, weil wir gen Osten fliegen, eine unendliche Nacht von fast 18 Stunden. Und ein superkurzer Kalendertag, immerhin sind wir am 18. April ab Mitternacht summa summarum 17 Stunden und 36 Minuten in der Luft, die Uhr in New York aber zeigt bei der Landung in Newark am 18. April nur 5 Stunden 44 Minuten später an.

Wo sind die restlichen 11 Stunden und 52 Minuten hin? Zurückgespult? Verloren? Oder gewonnen? Bin ich in der Realität nun jünger, als ich sein sollte?

Flug SQ 22 führt am 18. April nicht über den Nordpol gen USA, sondern eher „hintenrum“, auf der Norpac-Route. Über das Südchinesische Meer, Taiwan, vorbei an Tokio und der Insel Hokkaido, über Petropalowsk-Kamtschatski und Kamtschatka …

… gut drei Stunden nach dem Start nicke ich ein, zwischen Taiwan und der philippinischen Insel Luzon. Auf Höhe der Südspitze von Kamtschatka wache ich wieder auf. Geweckt vom Essens-Duft. 8:28 Stunden Flugzeit sind seit dem Start in Changi Singapore vergangen. Es ist zapfenduster draußen, in der Kabine auch. 

Zeit für das laut Menükarte „Midflight Dinner“. Ist aber eher ein Frühstück, wenn man davor fünf Stunden geschlafen hat, oder?

Leichtes Schnarchen mischt sich mit Geschirrklappern. Bildschirme flimmern. Essen. Schlafen. Filme ansehen (das für die superlangen Flüge erweiterte Entertainment-Programm umfasst über 1.200 Stunden!) – das sind die drei Disziplinen an Bord.

Fürs Essen auf Langstreckenflügen gilt: leich­te Kost wie Ge­flügel oder Fisch statt schwerem Essen, bei dem zu viel Blut in den Magen strömt. Und Gabel weg von Kohl, Brokkoli, Bohnen und Blumenkohl. Sie lösen wie stark kohlensäurehaltige Getränke Blähungen und Bauchkrämpfe aus, verstärkt durch den geringeren Luftdruck in der Kabine.

Der digitale Multitasker auf der anderen Seite des Gangs, der drei Stunden zeitgleich im Internet nach T-Shirts und Sneakers suchte (die Rechnung fürs On Board WiFi dürfte gewaltig ausfallen), einen Film auf dem Bildschirm verfolgte und sich einem Handyspiel widmete, hat offen­sichtlich das Falsche gegessen: Olfaktorisch bleibt der Luftraum über Sitzreihe 19 für eine Stunde eine Herausforderung.

Dabei bietet Singapore Airlines auf den Superlangstreckenflügen in Zusammenarbeit mit der US-Wellness-Marke Canyon Ranch bekömmliche, leich­te Gerichte wie Fenchel-Pfirsich-Salat oder Seebarsch-Filet mit Gemüse sowie gesunde Mixgetränke wie Grüntee mit Ingwer und Minze an. 


Was sagt die innere Uhr? Ist es Morgen oder Abend? Keine Ahnung. Ich folge der Empfehlung von Chief Steward Alex Koh, entscheide mich zum "Midflight Dinner" für Sate, Tiger Beer und ordere einige Wasserflaschen auf Vorrat.

Fürs Wohlbefinden versuche ich, weiterhin pro Flugstunde einen halben Liter Wasser zu trinken. Das erfordert nach den fünf Stunden Schlaf eine Art Druckbetankung mit 2,5 Litern. Was einen thromboseverhindernden Nebeneffekt hat: Man rennt ständig zur Bordtoilette und steht dort recht lang an. Es scheint noch einige andere eifrige Wassertrinker zu geben.

Nach elf Stunden fliegen wir über die Beringstraße und St. Lawrence Island. Nun herrscht für knapp zwei Stunden Tageslicht. Unter uns funkeln Schnee- und Eisflächen. Weiter geht es quer über Alaska und Kanada, an der Hudson Bay vorbei geradewegs nach New York, wo der längste Linienflug der Welt enden wird. Wir landen um 5.39 Uhr auf dem Newark Liberty Airport, nach exakt 17 Stunden und 41 Minuten Flugzeit.

SQ 25 | New York JFK–Frankfurt

6.188 Kilometer. 6:40 Stunden

Kaum der Rede wert, dieser kurze Sprung über den Atlantik. Hat man das Abendessen verputzt und zwei Gläser Bordeaux genossen, ist der Flug schon fast halb vorüber. Zeit, zu schlafen. 

Auf SQ 22 lag ich weicher, weil dort den Passagieren die Matratzen-auflage aus der First Class spendiert wird. Aber kein Problem. Kurzer Power-Nap und ein Continental Breakfast später landen wir überpünktlich um 10.12 Uhr in Frankfurt. 

Mein Flug um die Welt ist nach nach 33.382 Kilometern und 35 Stunden 58 Minuten in der Luft zu Ende.
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© Illustration: KD1

 

 

 


Peter Pfänder Osaka Japan Story Reisejournalist

Japan

Osaka statt Tokio 

Osaka ist eine ebenbürtige Alternative zu Tokio.  Die boomende Millionenstadt ist mit ihrem riesigen Angebot an „Kaiseki“-Restaurants, Fine Dining, Sushibars und urigem Streetfood zudem ein Paradies für Besseresser


Warum Osaka?

Japans zweitgrößte Stadt (19 Millionen Einwohner in der Metropolregion) ist eine Megacity mit Wolkenkratzern, verschlungenen Flyovers und einem Highway, der mitten durch einen Büroturm führt. Es gibt Kapselhotels (die 1979 in dieser Stadt erfunden wurden), Love-Hotels, unzählige riesige Shopping-Malls sowie bunte Einkaufsstraßen und Unterhaltungsviertel wie Dotonbori mit verrückten Fassaden wie der sich bewegenden Riesenkrabbe über dem Restaurant „Kani Doraku“.

Osaka bietet zudem kilometer-lange unterirdische Einkaufs-passagen, vielstöckige Elektronikkaufhäuser sowie Maid- und Cosplay-Restaurants. Nicht zu vergessen Japans höchsten Wolkenkratzer, den 300 Meter hohen Abeno Harukas, sowie zwei schöne Tempel- bzw. Schreinanlagen. 

Die Küche der Nation...
ist
ein lohnendes Ziel für Gourmets. Das Lebensmotto Osakas – Kuidaore – bedeutet so viel wie „sich in den Bankrott essen“. Osaka hat vier Drei-Michelin-Sterne-, 17 Zwei-Michelin-Sterne- und 74 Michelin-Stern-Lokale sowie Zigtausende  Imbisse, Izakayas, Yakitoris und sonstige Restaurants, deren Preise meist unter denen in Tokio liegen.


Running Sushi übrigens – das in Japan keiner so nennt, hier spricht man von kaitenzushi – wurde nicht in Tokio, sondern 1958 in Osaka erfunden. Im selben Jahr brachte in Osaka Herr Momofuku Ando die weltweit erste Instant-Nudel als „Chicken Ramen“ auf den Markt. 

Der große Unterschied zu Tokio: Osakas Bewohner sind offener, entspannter, nicht so pünktlich und weniger verschämt als der Durchschnitts-Tokioter.


Muss man sehen

Osaka wurde im Zweiten Weltkrieg durch US-Bomben stark zerstört. Alte Wohnhäuser und Viertel sind selten und die Zahl klassischer Sehenswürdigkeiten ist überschaubar. Osaka muss man als Gesamtkunstwerk verstehen...

Für ein erstes Bild der Stadt empfiehlt sich die Fahrt mit der Loop Line von JR einmal um das Stadtzentrum herum. Das dauert 50 Minuten und kostet zwei Euro.

 Ansonsten aber lautet unsere Empfehlung: laufen, laufen, laufen! Zu Fuß entdeckt man die vielen kleinen exotischen oder verrückten Läden, Schilder, Geschäfte und Lokale am besten – für die langen Strecken gibt es ein dichtes U-Bahn-Netz.


Zu den Hauptattraktionen Osakas zählen das aufs 16. Jahrhundert zurückgehende, mehrfach durch Brände und Bomben zerstörte und wiederaufgebaute Schloss Osaka-jo, dessen Hauptturm komplett aus Beton besteht.

Dotonboris Restaurant-Fassaden mit riesigen Krabben, Kraken oder Fugo-Fischen sowie die knallbunten Neon-Werbewände in XL sind für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Hier trommelt auch seit 1950 der Clown Kuidaore Taro vor sich hin – Dotonboris populärstes Selfie-Motiv.


Einen Abstecher von der Osaka Station aus führt zum 16-stöckigen Gate Tower Building: Dort führt ein Highway zwischen 5. und 7. Stock mitten durch das Gebäude.

Überdachte Shoppingarkaden wie die 2.600 Meter lange Tenjinbashi Suji Shotengai oder Shinsaibashi Suji Shotengai muss man gesehen und durchbummelt haben. 

Im Norden der Stadt sorgen die zwei verbundenen Türme des 40 Stockwerke hohen Umeda Sky Building mit zwei spektakulären Rolltreppen 150 Meter über dem Abgrund an (5 Gehminuten vom Bahnhof Osaka Station) für luftige Ausblicke auf die Stadt und den Yodo River.

Das höchste bewohnte Gebäude Japans steht im Süden Osakas, über dem Bahnhof Tennoji: 300 Meter hoch ist das Abeno Harukas. Von dessen Harukas 300 Observatory (Ticket: 11 Euro) hat man einen tollen 360-Grad-Blick weit über die Stadt. Tipp: Eines der großen Zimmer mit Aussicht im „Osaka Marriott Miyako“ buchen, das die Stockwerke 38 bis 57 belegt und durch raumhohe Fenster in Zimmern, Lobby und Restaurants für Rundum-Aussicht sorgt. 

Bummeln und Schlemmen

Darum geht es vorrangig in dieser Stadt, überirdisch, unterirdisch und überhaupt. In Umeda rund um die Osaka Station mit 2.000.000 Passagieren pro Tag warten auf Schritt und Tritt auf vielen Geschossen Lokale, Passagen und Läden aller Art und Preislage.  Das Viertel Minami im Süden der Stadt lockt mit Nightlife, Shopping und sehr guten Izakayas in der Gasse Hozenji Yokocho.


Die bunte und laute Food-Meile Dotonbori entlang des gleichnamigen Kanals lockt mit „Must Eat Foods“ wie Kushikatsu (frittierter Fisch oder Fleisch am Spieß), Okonomiyaki (Omelette-Pfannkuchen-Hybrid) und Takoyaki (frittierte Oktopus-Bällchen).


In der autofreien Hauptstraße steht das Lokal, in dem 1958 Yoshiaki Shiraishi das erste Sushi vom Fließband eröffnete: Die Dotonbori-Filiale von Mawaru Genrokuzushi ist nicht zu übersehen: Aus der Fassade ragt eine riesige Hand mit Sushi. 

Das Viertel America-mura ein paar Hundert Meter nördlich von Dotonbori bildet eine sehenswerte Vintage-Kulisse für Shopping und Jugendkultur. 

Gourmets sollten sich einen Besuch im „Ajikitcho Bunbu-an“ gönnen, das für seine kunstvoll arrangierte und aromenraffinierte Kaiseki-Küche seit Jahren einen Michelin-Stern hält. Generell sind die Restaurants in und um die großen Bahnhöfe immer eine gute, meist noch recht günstige Wahl.


Lieblingsplatz

Ganz klar: Der Sumiyoshi-taisha. Der Shinto-Schrein im puren Japan-Stil ohne chinesische Einflüsse ist einer der ältesten des Landes. Die Ursprünge gehen auf das 3. Jahrhundert zurück, also in eine Zeit weit bevor der Buddhismus nach Japan kam. Schöne, unglaublich stimmungsvolle Anlage im Süden der Stadt mit über 600 Steinlaternen, vielen Schreinen und Kanälen unter der spektakulären, über 400 Jahre alten roten Steinbogenbrücke Soribashi.


Raus aus der Stadt: Koyasan

Der Koyasan, der heili­ge Berg des Shingon-Buddhismus, ist ein einzigarti­ges Ensemble aus Tempeln und einem riesigen, verzauberten Friedhof unter uralten, hohen Zedern. Der Haupttempel Kongobu-Ji ist dem Mönch Kūkai gewidmet, der sich 816 hier niederließ und ein Zen­trums des Shingon-Buddhismus aufbaute.  Der wurde im Lauf der Jahrhunderte immer wichtiger, viele Kriegerfamilien aus ganz Japan ließen immer neue Tempel errichten. Von einst über 2.000 sind noch 117 Tempel übrig, bewohnt von 600 Mönchen.


Knapp 60 dieser oft kunstvollen Tempel in klassischer Architektur und mit akribisch gepflegten Gärten bieten die Möglichkeit, in klassischen Tatami- Zimmern zu übernachten, die vegetarische Küche der Mönche kennen-zulernen und bei den Morgen-andachten dabei zu sein. Der einzige Tempel mit eigenem Onsen-Bad für Männer und Frauen ist der „Fukuchi-in“. 
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Bild: © Peter Pfänder


 


finnland skandinavien mökki steg sommerurlaub Peter Pfänder Journalist ABENTEUER UND REISEN Chefredakteur

Finnland

Sommer im Mökki

Familiensommerurlaub geplant? Wie wäre es mit Ferien auf einer der 20.000 Inseln und Schären des  Turku-Archipels? In einem typischen finnischen Sommerhaus am Meer, dem Mökki? Wir haben’s getestet, waren begeistert – und danach total entspannt.

„Peter, wo fahrt Ihr kommenden Sommer hin?“ „Nach Finnland!“ „Haha, guter Witz. Komm’ jetzt, im Ernst!“ „Ganz im Ernst, nach Finnland“ „Um Gottes Willen. Da ist es doch nur kalt und regnerisch, man kann nicht schlafen, weil es nachts nicht dunkel wird, und die Mücken fressen einen auf..."

Mitleidige Blicke, Kopfschütteln. Wie kann ein Reisejournalist seiner Familie so etwas antun...

Vier Monate später. Anfang August. Insel Korpo, im Herzen des Turku-Archipels. Tag fünf unseres Urlaubs, Sonnentag Nummer fünf. Ich liege müdegeschwommen in der Sonne. Unter der Badeplattform gurgelt, blobbt und schworbt die Ostsee. Leichter Wellengang. Blauer Himmel.

Das Meerwasser tropft vom Körper, zeichnet Muster aufs sonnengebleichte Holz. Leichtes Frösteln. Der Wind frischt auf, schaufelt weiße Krönchen auf die Wellen. In den Geruch des Meers mischt sich Pinienduft, den die Bäume über uns ausschwitzen. Sekundenschlafmoment.

Grillenschwimmendosenbier
Plötzlich ist es da, dieses typisch finnische Problem: Werfe ich erst den Grill an, um den legendären Makkara-Würsten ein wenig Braun in die todesbleiche Pelle zu brutzeln? Oder hacke ich Feuerholz für die Sauna am Meer?

Ich drehe mich auf den Bauch, lasse mir den Rücken wärmen und blinzle über die Sonnenbrille hinweg. Grill und Hackstock haben Zeit. Erst nochmal ins Meer. Und dann ein wenig Yoga. Danach sehen wir weiter.

Ich prokrastiniere, also bin ich
So geht das seit Tagen. Man wird zum Faultier und Prokrastination zur Pflicht. Die finnischen Sommertage sind lang, gut 16 Stunden. Die Sonne geht Anfang August erst gegen halb zehn unter und funzelt noch bis kurz vor elf über den Horizont, um sich am Folgetag um halb sechs schon wieder sehen zu lassen. Lange Tage, nichts zu tun.

Der Wind lässt nach, die milde Sonne schmeichelt der Haut. Das mit dem Yoga lasse ich nach fünf Minuten. Bin zu entspannt für Krähe, Krieger und Konsorten. Den Mittag verbringen wir, wie wir in den Morgen gestartet waren: Raus aus den Federn, ein paar Schritte zum Meer und dann nackt ins Wasser. Nachbarn, die indigniert sein könnten, gibt es nicht. Um jedes Mökki zieht sich eine unsichtbare Bannmeile von mehreren hundert Metern.

Die Ostsee hat 17 Grad, ist glasklar, kaum salzig. Schwimmen, bis die Kälte spürbar wird. Danach angeln wir mit Schnur und Haken. Zum Erstaunen meiner Tochter und meinerselbst mit Erfolg: Am ersten Tag ziehen wir sieben Flussbarsche aus dem Meer. Alle sind zu klein, so dass wir sie wieder freilassen.

Bürosesselpupser, aufgepasst!
Fischtechnisch etwas erfolgreicher war unser Ausflug mit Anna und Ben Schütt, den Vermietern unseres Mökki auf der Insel Nagu. In einem kleinen Motorboot geht es raus aufs Wasser, wo wir mittags am Bug balancierend drei 150 Meter lange Netze ausbringen.
Abends holen wir die Netze wieder ein: drei Barsche. Die filetiert uns Ben gekonnt. Dann landen sie in der Pfanne, mit frisch im Wald gesammelten Pfifferlingen eine Gaumenfreude.

Das war fast das Aufregendste und Anstrengendste unserer Tage im Mökki. Nicht zu vergessen: der Riesenelch, der uns schon am ersten Abend auf dem Nachhauseweg in die Quere kommt. Die Kreuzotter, die auf der pippilangstrümpfigen Insel Nötö einen Meter vor uns im Gebüsch verschwindet, als wir zum tief im Wald versteckten Glockenfelsen „Klockarsten“ marschieren.

Und natürlich das ein wenig bange Warten auf die „MS Eivor“, die uns dort abgesetzt hat und nach ihrer Tour durchs Archipel einige Stunden später wieder abholen soll – nur auf Zuruf per Handy, nicht nach Fahrplan.

Mökki dich weg
Immer schneller, immer mehr, so ist unser Alltag. Die Antwort der Wellnesserfinder, Wellbeing-Berater und Lebensverbesserer: Entschleunige dich! Detoxe dich! Übe dich in Achtsamkeit! Das klingt leider lustlos, asketisch und nach Verzicht. Oder nach teurer, pflichtbewusster Selbst-optimierung mit einem Hauch von Weißkittelstrenge.

Das muss nicht sein, wissen die Finnen schon längst: Mökki dich weg! So ein Urlaub im Sommerhäuschen verbindet Entspannung und Wellness mit Genuss und Spaß. Drei, vier Saunagänge jeden Tag, dazwischen ins kalte Meer. Das bringt den Kreislauf auf gesunde Touren.

Weitere Therapie-Angebote nach Mökki-Art: Lang ausschlafen. Viel frische Meerluft. Blaubeeren (Mustikka) futtern, die wachsen, wie die flauschigen Moosflokatis, wohin man tritt. Überall und immer. Powerfood aus dem Wald. Ungespritzt (und ohne Fuchsbandwurmgefahr!), ohne Plastikverpackung und „zero kilometer“.

Der Soundtrack: Kein Lärm, keine Störgeräusche von Rasenmähern oder Nachbars Radio. Nichts. Nur das Meer und das laute "kjarrr kjarrr" und "kjakkk kjakkk" von ein paar Dohlen.

Nichts los, aber das reichlich
Keine Ablenkung, das Handy bleibt aus! Zeit, jenseits vom Alltags-Gedöns mit dem Kind zu reden, rumzusinnieren, wichtigste Fragen erörtern. Wozu sind Zecken eigentlich gut?  Wie beschreibt man den Meergeruch am besten? Was fließt alles in das Meer, dass es so wenig Salz hat? Am Ende auch das, was in den Plumpsklos landet?
Warum bekommt man Bier im Supermarkt nur in Dosen? Warum sind die Sommertage in Finnland so lang. Warum lagert man Köderwürmer im Kühlschrank?  Warum ist es nach Sonnen-untergang noch so lang so hell. Warum ist der Horizont nachts erst blau und dann flammrot? So wichtige Fragen halt.

90 Grad° Glücksgefühl
Das Mökki ist, wie die Sauna, integraler Bestandteil der finnischen Lebensart, am Ende gar genetisch verankert. Im Mökki findet der Finne zu sich. Zieht sich zurück aus dem Irrsinn des digital getunten Alltags. Reduziert sich aufs Wesentliche: Saunieren, Grillieren, Sinnieren, Schwimmen. 

Die Sauna ersetzt Meditation. Dasitzen und schwitzen, Aufguss für Aufguss, bis man der herrlichen Höllenhitze entflieht, ein paar Schritte barfuß über den nadeligen Waldboden stapft und im spiegelglatten, kalten Meer untertaucht. Dann auf dem Granit-Liegethron das obligate Sauna-Bier zischen. Dazu flammt und leuchtet der Abendhimmel.

Und wieder rein in die 90 Grad heiße Hot-Cocooning-Höhle. Nochmals ein paar Birkenscheite nachgelegt, die den Ofen zum Knallen und Scheppern bringen. Ein Aufguss – und der Schweiß schießt dir wieder aus allen Poren. Herrlich. Drei, vier Gänge und es macht sich wunderbare Wurstig-keit breit.

Man will keine Nachrichten sehen aus der verrückten, lauten Welt da draußen. Rückzug. Total. Das tut gut, man gewöhnt sich daran. So sehr, dass man sich nach zwei Stunden im winzigen Hafenort Nagu, in dem außer ein paar Seglern kaum ein Mensch unterwegs ist, schon wieder zurück will. Fast zu voll hier. Fast zu viele Menschen. 

Die Zeit verstreicht, wundersam entspannt. Ein Sonnentag folgt auf den nächsten. Mildes Licht, milde Wärme, weißes Puschelgewölk am Himmel. Vielleicht sollten wir morgen nochmals mit der „MS Eivor“ machen und durchs ganze Archipel bis zu den letzten Inseln vor dem offenen Meer schippern? Oder nochmals über den fluffigen, weichen Moosboden marschieren, in dem man bis zu den Knöcheln versinkt. Vielleicht. Vielleicht an einem Regentag? Aber morgen scheint wieder die Sonne – wie an neun von zehn Tagen unseres Urlaubs.
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© Bild: Peter Pfänder

 

 storys, Tests, Tipps

usa hotel lifestyle journalist redakteur redaktionsleiter new york hoteltest

Hotel-Check

Moxy Chelsea, NYC

Ein schickes, cooles Hotel in guter Lage zu erschwinglichen Preisen in New York? Das ist wie die Quadratur des Kreises. Wir wurden im Flower District fündig: Moxy Chelsea

Moxy Chelsea eröffnete Anfang März 2019 in Manhattan und ist damit das dritte „Moxy“ in New York. Es steht inmitten des noch quirligen Flower District in der West 28th Street zwischen 6th und 7th Avenue, der langsam an den Folgen der Gentrification von Chelsea (die Leute hier sprechen von „real estate frenzy“) zugrunde geht. 

Die (noch) blumige Umgebung spiegelt sich im Design des „Moxy“ wieder. Der schlanke, 35 Stockwerke hohe Turm im Industrial-Look mit rostroten Cortenstahl-Säulen und viel robustem Sichtbeton überragt die (abgesehen vom „Hyatt House“) relativ niedrig bebaute Nachbarschaft. Das „Moxy“ mit seinen 349 Zimmern versteht sich als „social hub inhabited as much by local residents as by visitors“ und öffnet nicht nur das Restaurant und die Bars, sondern auch die Co-Working Area im zweiten Stock für hippe und trendbewusste Chelsea Locals.


So schläft und wohnt man

17 Quadratmeter große Zimmer mit hygienischen Designvinyl-Böden, raumhoher und -breiter Fensterfront, abgetrenntem WC und Dusche hinter Stahl-Glas-Schiebetüren im Loft-Stil, Waschbecken im Zimmer. Statt eines Schranks gibt es eine Art Garderobenwand, das "Pegboard". 

Dort hängen an Haken Kleiderbügel, ein kleiner Klapptisch und ein Leder-Klapphocker, der auch als Luggage Rack dient. Weiterer Stauraum in Schubladen unter dem Bett.

Geschmacksache

Im Erdgeschoss warten das „Feroce Ristorante“ mit klassischer italienischer Küche und das „Feroce Caffè“ mit gutem Espresso und Kuchen. Hotelgäste genießen dort statt typischem American Breakfast eine typisch italienische Colazione all’Italiana. Bei gutem Wetter wird die Glas-Front zum Gehsteig der 28th Street hin geöffnet.

Im zweiten Stock befindet sich die „Bar Feroce“ mit guten Drinks und kleinen Bar Bites wie Caprese Croccante. Im „The Conservatory“ sitzt man unter einer drei Stockwerke hohen, gläsernen Decke und nippt in Gewächshaus-Ambiente am Drink. 


Was mir besonders gut gefällt

Das Design. Die Lage. Die coole Nachbarschaft. Der Blick aus den nach Norden gerichteten Zimmern aufs Empire State Building. 

Vor allem aber die Rooftop Bar „The Fleur Room“ mit sensationellem Blick auf das nächtliche Empire State Building, sehr guten Cocktails und gigantischer Diskokugel aus den 1980ern. Hotelgäste dürfen vor 21 Uhr bevorzugt nach oben, während sich auf dem Gehweg später in der Nacht vor dem Eingang Schlangen bilden.


Das Moxy Chelsea ist ideal für...

Geschäftsreisende, City-Urlauber (auch mit Kind: es gibt Zimmer mit zwei Doppelbetten und mit zwei Stockbetten) und Designliebhaber. Wer New York mit dem Rad erkunden will, kann sich kostenlos ein Single Speed Fixie von Solé schnappen. Das Hotel liegt nur wenige Gehminuten von Flatiron Building, Empire State Building und nur 25 Gehminuten vom Zugang zum High Line Park.

Der kleine oder größere Haken?

Keiner. Alles schick. Alles sauber. Alles lecker. Super nettes Team.


Die Preisfrage

Für New Yorker Verhältnisse gute Preise. DZ im Moxy Chelsea gibt es kurzfristig und mit viel (!) Glück ab 160 Euro. In der Regel liegt der Preis zwischen 270 Euro und 380 Euro. Familienzimmer mit 2 Stock- oder Doppelbetten gibt es ab 400 Euro.

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©  Bild: Moxy Chelsea

 

 

peter pfänder safari afrika reportage fachautor afrika elefant

Südafrika

THe Big ROAAAR! 

Sie träumen davon, einmal im Leben alle Big Five zu sehen? Mein Tipp:  Sabi Sabi Private Game Reserve. Dort sind Sichtungen aller Big Five so häufig und intensiv wie kaum woanders. 

Was ist verrückter? Dieser Zugang zur „Earth Lodge“, der sich wie ein Schützengraben durch das Erdreich windet? Die Tatsache, dass wir bei der Abholung vom Flughafen Skukuza keine 200 Meter fahren, bis wir die ersten drei Löwenmännchen sehen? Oder das kleine Wunder, dass binnen 18 Stunden alle Big Five an uns vorbeigezogen sein werden? 

Und das oft auf Armeslänge. Nur möge man, so mahnt Ranger Lazarus, keine Gliedmaßen, auf deren weitere Verwendung Wert gelegt wird, aus dem Auto strecken. So ein exponierter Selfie-Arm werde schnell zum Take-away-Happen für Löwe oder Leopard. „Bleibt unbedingt sitzen! Nicht aufrichten!“, rät uns Lazarus.

Big Five in fünf Stunden

Erster Morgen in der „Earth Lodge“ des Sabi Sabi Private Game Reserve. Zum Frühstück um 9 Uhr sind die Big Five „abgehakt“, nach fünf Stunden Game Drive am Vorabend und frühen Morgen. Wir sehen dabei nicht nur ein Breitmaulnashorn (White Rhino). Nein, es sind zwei, drei, fünf Nashornkühe nebst Nachwuchs. Sowie zwei kapitale Bullen. Wir sehen Büffel in Massen, fünf Löwenmänn­chen und elf Löwinnen plus Nachwuchs. Acht oder neun Elefanten und einen Leopard. Eine unglaubliche Bilanz für den ersten Safari-Tag!

Den Adrenalinspiegel jagt bei der abendlichen Exkursion am Ankunftstag eine Truppe Löwinnen in eine Höhe, die bis nach Mitternacht nicht an Schlaf denken ließ. Zunächst drei Löwinnen pirschen sich in der Dämmerung an eine große Büffelherde heran. Schlagartig beginnt eine wilde Hatz über 200, 300 Meter.


Als die vermeintlich hirnlos-panisch in einer dichten Wolke aus Staub davonstürmende Meute die Hilferufe jenes Tieres hört, in dessen Hinterteil sich eine Löwin verbissen und verkrallt hat, machen die schweren Tiere blitzartig kehrt und gehen zum Gegenangriff über. Der Boden des Buschs zittert unter dem Getrampel von Dutzenden Tonnen an Muskelmasse. Die Löwin lässt ab – die Rotte bleibt hungrig. Was für ein Spektakel!

Leoparden-Honeymoon

Fast rauschhaft ist unsere Begeisterung, als zwei Tage später keine zehn Meter neben unserem Wagen ein Leopardenpaar seine Paarungsorgie beginnt. Das Weibchen drängt das Männchen geradezu aggressiv, es zu besteigen. Lautes, sonores und markerschütternd tiefes Knurren, ein paar Stöße – und vorbei ist die Nummer.

Per Nackenbiss fixiert das Männchen das fauchende Weibchen, als es seinen Penis zurückzieht. Das schmerze, denn die Eichel sei, wie bei Katzen und Löwen, mit einer Art Widerha­ken ausgestattet, und diese Penisstacheln sorgen erst für die Ovulation, erklärt uns Lazarus.

Die Kopulationen werden von Mal zu Mal kürzer, meist ist das Ganze nach fünf Sekunden vorbei. Ermattet und schwer atmend lässt sich das Männchen dann auf die Seite ins Gras fallen, das Weibchen ebenfalls. Nach wenigen Minuten fordert sie ihn wieder heraus.  

Fremdlöwen willkommen!

In Reserves wie Sabi Sands geht es deutlich ruhiger zu als im Kruger National Park, in dem Touristen in ihren Pkws durch die Gegend fahren. Auf freigege­benen Straßen und Pisten, aber nie offroad, was nur in den privaten Reservaten erlaubt ist. Nur so aberkommt man den Tieren so nahe, dass das Fernglas in der Tasche bleiben kann oder ein kleines Opernglas genügt. 

Grenzenlos geht es von Sabi Sands aus nicht nur durch den 20.000 Quadratkilometer großen (so groß wie Israel) Kruger National Park und von dort über die offene Grenze in Mosambiks Limpopo National Park und in Simbabwes Gonarezhou National Park weiter, sondern – mangels Zäunen – auch direkt auf das Areal der „Earth Lodge“.


Löwen oder Leoparden erlegen immer wieder mal vor einer der Suiten ein Tier und futtern es gemütlich über Stunden hinweg, um dann in einen Verdauungsschlaf zu verfal­len, den man als zweibeiniger Safarigast auf dem Weg zum Lunch besser nicht stört. 

Bluttaten im afrikanischen Busch

Verglichen mit den 35.000 Quadratkilometern des Great Limpopo Transfrontier Park ist das Gebiet des Sabi Sands Game Reserve winzig: 650 Quadratkilometer, das darin integrierte Sabi Sabi Private Game Reserve zählt „nur“ 60 Quadratkilometer. 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass man nur an wenigen Orten Afrikas eine so gute Chance hat, in zwei, drei Safaritagen die Big Five zu sichten wie im Sabi Sands. Während unseres Besuchs haben die Ranger sogar frische Spuren eines Spitzmaulnashorns ausgemacht. Das ist eine kleine Sensation. 

Seit Jahren ist die Wilderer-Problematik in Afrika schlimmer als je zuvor. Zwei Nashörner am Tag werden allein im Kruger National Park ermordet, 2016 waren es dort 662 Tiere, erzählt  Ranger Lazarus. In Südafrika fielen mehr als 1.050 Nashörner den „poachers“ zum Opfer, während es zehn Jahre zuvor 30 bis 50 Tiere pro Jahr waren.  

Im Sabi Sands Game Reserve sei, nicht zuletzt durch den Einsatz schwer bewaffneter Truppen in den letzten vier Jahren kein Fall von schwerer Wilderei vorge-kommen, versichert Tracker Louis.


Der Elefant in meinem Pool

Die Schutztruppen von Sabi Sands machen auf jeden Fall einen guten Job. Und die Menschen in den Dörfern jenseits des Zauns haben in den 24 Lodges sichere und relativ gut bezahlte Jobs. Es liegt in ihrem ureigensten Interesse, dass die Wilderer nicht zum Schuss kommen. 

So kommt es vor, dass das bei 40 Grad erfrischende Bad im privaten Pool vor der „Earth Lodge“ abrupt zu Ende geht, weil ein  Elefant aus dem Dickicht stapft, um seinen Durst genau dort zu löschen, wo zehn Sekunden zuvor der Reporter im Wasser planschte. Und immer wieder mal stapft ein Elefant auf das begrünte Dach des Hauptge-bäudes und begutachtet  durch das Oberlicht die Gäste beim Lunch.


Fressen. Pinkeln. Paaren

Kurios ist der Rhino-Bulle, der vor uns sein Revier markiert. Stapft ein paar Meter und verpasst der Umwelt eine meterweite Urinbrause mit nach hinten gerichtetem Penis, der an einen Duschkopf erinnert.


Lazarus: „Ein Rhinobulle pisst alle paar Meter, um sein Revier, das meist zehn bis zwanzig Quadratkilometer groß ist, zu markieren. An den Außengrenzen hat er Stellen, die er alle paar Tage mit frischem Kothaufen markiert, um Nebenbuhler und Revierkon-kurrenten fernzuhalten.“


Bush-Walk – Uaaah!

Spannend ist der mehrstündige Bush Walk mit zwei Rangern. 

Da schlägt einem anfangs schnell bei jedem knickenden Ast oder Rascheln im Busch das Herz bis zum Hals – auch wenn sich der anpirschende Vierfüßler als Leguan entpuppt. Großkatzen machen da deut­lich weniger Geräusche.


Was blieb uns das Sabi Sabi Private Game Reserve nach vier Nächten schuldig? Nichts. Außer den faszinierenden Wild Dogs, die ich so gern wieder einmal beobachtet hätte.

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Bild: © Sabi Sabi Game Reserve


 



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Singapore Airlines

Test: Premium Eco

Wird der 12-Stunden-Flug mit Singapore Airlines’ Premium Economy Class zum Erholungs-Programm? Das haben wir getestet – und Tipps für günstigen Stopover-Urlaub mitgebracht.
 

Was die taiwanesische EVA Air vor 23 Jahren mit der „Evergreen Deluxe Class“ losgetreten hat, hat längst als „Premium Economy Class“ weltweit Karriere gemacht.


Zielgruppe sind neben kostenbewussten Geschäfts-reisenden Urlauber, die ein Plus an Komfort und Freigepäck suchen und bereits sind, auf Asienflügen dafür 500, 600 Euro mehr zu zahlen.


Über 30 Fluggesellschaften bieten das Mittelding zwischen Business und Economy an, seit Sommer 2014 auch die Lufthansa und seit Herbst 2015 der vielfach preisgekrönte Premium-Carrier Singapore Airlines.


Sinn und Zweck?

Was darf der Langstrecke fliegende Gast von dieser Klasse erwarten? 

Mehr Spaß über den Wolken. Keine schmerzenden Knie, weil man ständig an den Vordersitz stößt. Keine Zerrungen im Rücken, weil man sich auf der Suche nach Schlaf gefährlich verrenkt und verdreht. Dank größeren Sitzabstand mal richtig die Beine lang machen zu können.
Außerdem flottes Check-in, Priority-Boarding und 35 statt 30 Kilo Freigepäck. Das sind bei fast allen Airlines die variierten Zutaten – das alles zu einem Aufpreis von 600 bis 800 Euro aufs Economy-Ticket nach Singapur und zurück.


Nachgemessen an Bord

Die Premium Economy Klasse wird in der Boeing 777, im A380 und A350 von Singapore Airlines angeboten. 

Spürbar sind die 15 Zentimeter mehr Sitzabstand: 96,5 statt 81,5 in der sowieso schon sehr komfortablen Economy und gegenüber 140 Zentimetern in der Business Class.


Die 47 bis 49,5 Zentimeter breiten (Business bis zu 86 Zentimeter), komplett getrennten, ledergepolsterten Sitze haben eine breite Armauflagefläche – das vermeidet Ellenbogenkriege – und manuell verstellbare Wadenstützen.

Schöner schlafen?

Auch wenn es mit Tiefschlaf nicht klappen mag, so kann man auf jeden Fall sehr entspannt schlummern. Der Sitz lässt sich bis zu 20,3 Zentimeter nach hinten klappen, das ergibt eine komfortable Sitzneigung von 125 Grad.

Für eventuelle Schlafprobleme entschädigen der brilliante LCD-Monitor mit fast 35 Zentimetern Bilddiagonale, gute On-Ear-Kopfhörer mit aktiver Rausch-Unterdrückung und ergänzend zur gut sortierten Standardspeisekarte die Option, vorab das Wunschgericht via „Book The Cook“ zu ordern.


Mit ein paar guten Filmen, noch etwas Champagner, Scotch oder Gin Tonic klappt es auf jeden Fall mit der nötigen „Bettschwere“.


City statt Lounge!

Wer vor dem vor dem Weiterflug nach Neuseeland, Australien, Thailand oder Indonesien ein paar Stunden Zeit hat, sollte unbedingt mit der blitzblanken und properen U-Bahn in die Stadt fahren und mit dem Boarding Pass eine auf 5 Euro vergünstigte Fahrt mit dem SIA Hop-on Bus machen. Der verkehrt im 20-Minuten-Takt und hält an 21 Stationen unweit der wichtigsten Must-sees. 

Feines Essen gibt es ab vier Euro in den über 100 Hawker Centres der Stadt, von denen das Lau Pa Sat inmitten himmel-stürmender Hochhäuser das wohl schönste ist.
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©  Bild: Singapore Airlines



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Up Helly Aa

Schottland irre

Shetland ist eine kleine Insel-gruppe weit nördlich des schottischen Festlands. Einmal im Jahr treiben es die Shetlander beim Up Helly Aa in Lerwick so wild, dass die Funken fliegen.

Kein Ordnungsamt würde heutzutage die Durchführung solch eines Events genehmigen: Eine Prozession von 1.000 Fackelträgern, die Stunden lang fröhlich brüllend durch die Stadt ziehen. Sie tragen riesige Paraffinfackeln vor sich her, während die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet ist. 

Ein gut zwei Kilometer langer Zug, gefolgt von Musikkapellen und Schwadronen Kostümierter. Dann versammeln sich alle Fackelträger auf einem rund 150 mal 50 Meter großen Park inmitten der Stadt, um dort ein großes Wikingerschiff aus lackiertem Vollholz in Flammen aufgehen zu lassen.

Up Helly Aa, Europas größtes Feuer-Festival, findet immer am letzten Dienstag im Januar statt. Die Anfänge gehen zurück auf das Jahr 1840: „Damals begannen Horden ausgelassener und betrunkener junger Kerle, brennende Teerfässer durch die engen Gassen von Lerwick rollen zu lassen, begleitet von Schlägereien und Randale“, erzählt Brydon Wright, ein besonders wild gestyltes Mitglied des sogenannten Guizer Jarl’s Squad. 

„Das war brandgefährlich, also wurde das ganze 1870 abgeschafft. Damals taten sich ein paar Jungs aus dem Ort zusammen, machten aus dem Chaos einen geordneten Umzug und verpassten ihm den Namen Up Helly Aa. Keine Ahnung, woher der kommt“.

Das Wetter gibt sein Bestes, das Up Helly Aa zur Härteprüfung für Teilnehmer und Zuschauer zu machen. Stundenlang prasselt der Regen, anfangs nur senkrecht, später eher waagrecht: ein Sturm tobt über die Insel. 

Den Zaungästen fliegen nicht nur die fetten  Regentropfen ins Gesicht, sondern auch ein Meer von Funken und brennenden Paraffinstücken, die der Wind von den Fackeln reißt – eine Art Höllenfeuer mit fließend Wasser.


Frieren, singen, brüllen

Dabei begann der Tag recht harmlos. Nieselregen fiel, als das kunstvolle Wikingerschiff "Falcon", das Lerwicks brave Mannen über ein Jahr lang – und unter strenger Geheimhaltung – im sogenannten Galley Shed gebaut haben, bei einer Prozession durch die Stadt gezogen wurde. Menschenmassen säumten die Straßen, während der Anführer der Meute, Lyall Gair, der diesjährige „Guizer Jarl“, seine hinter Rüstung, Helm und Fellen versteckte Wikingerhorde anpeitschte.

Lyall ist ein Wandschrank von Mann mit Monsterbart, gewaltiger Mähne und pompösen Adlerflügel-Helm. Heute ist der größte Tag im Leben des Shetlanders, der 13 Jahren im Festkomitee zum Up Helly Aa aktiv war und ein Dutzend Wikingerschiffe mitgebaut hat, bis endlich er der Star sein konnte.

„Wichtiger als die Hochzeit ist der Auftritt als Guizer Jarl im Leben eines Shetlanders“, raunt er mir abends um zehn nach dem Umzug zu, als er in der Umkleide der Sound Primary School kurz Luft holt und ein Glas Cider auf Ex trinkt. „Heiraten kannst du immer wieder, aber das hier, das machst du nur einmal im Leben!“ Noch schnell ein paar Selfies mit weiblichen Fans, dann geht es weiter.

Sturm! Regen! Feuer! Wahnsinn!

Die Hose klebt am Bein. In den Boots quietscht das Wasser. Zwei Stunden stehen wir uns King George V Play Ground, einem grünen Geviert umstanden von alten Häusern und einer Kirche, die Füße platt. Was für eine Kälte! Wie viel Regen! 

Endlich marschiert der Umzug mit den Fackelträgern, Brass Bands und Tausenden Verkleideten heran.

Brav stapft der lange Festzug mit Kampfgeschrei hinter dem Wikingerschiff her, das kurz nach 20 Uhr in einem infernalischen Spektakel in Flammen aufgeht. Andächtig starren die Menschen noch ein Weilchen auf das martialische Schauspiel, ein beeindruckendes Funken- und Flammenmeer.


Feiern bis zum Umfallen

Nach 15 Minuten gibt es kein Halten mehr. Nun fliegen die Regenjacken, Ponchos und zerfetzten Regenschirme in den Kofferraum oder die Garage von Freunden, dafür werden Highheels und superkurze Röcke respektive das, was die Herren der shetländischen Schöpfung für schickes Outfit halten, angelegt. 

Und alle (Geladenen) strömen zur Party im Gebäude der British Legion und zu den anderen Partyspots. Der Rest der Nacht? Suff, Tanz, Flirten, Fummeln, Singen und fröhliches Brüllen bis in den frühen Morgen. Da fehlen dem Beobachter glatt die Worte und die Notizen brechen ab...
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© Bild: Visit Scotland